So, nach ca. einem Jahr LSD bin ich nun auf Entzug gegangen und habe mal spaßeshalber den Viper vom Doc draufgeklebt, um die viel gelobten Offensivoptionen auszuloten.
Testobjekt ist ein roter Viper ox auf einem neueren NSD in Originalgröße (mit Griffverkürzung). Die Vorhand war mit Tenergy 64 in 1.7mm belegt.
Was als erstes auffällt: Die Folie... naja. Hab schon schlechtere gesehen, allerdings auch deutlich bessere. Man braucht beim Aufkleben schon etwas Händchen um nicht sofort eine Gummikugel zu produzieren. Es empfiehlt sich außerdem das Holz vorher zu versiegeln und eine dünne Schicht VOC-Kleber aufzutragen. So bekommt man das Ding hinterher auch heil wieder runter.
Punkt zwei ist etwas kurios: Der J.T.T.A.A. sowie der ITTF Stempel mit Zulassungsnummer befinden sich sehr weit auseinander, so das eine Montage auf Standartblättern zwangsläufig entweder den einen oder anderen Aufdruck unlesbar macht. Bei mittiger Montage auf ein normal großes Holz werden beide Stempel in der Mitte abgeschnitten... irgendwie unglücklich und eigentlich lt. Regelwerk auch nicht zulässig. Bei Großblättern wie dem NSD passt es gerade so und stellt somit für mich kein Problem da. Ich habe zwei Exemplare hier und die sind dbzgl. identisch. Dort sollte man evtl. nachbessern. Auf dem Lappen ist unten jedenfalls genug Platz.
Nun zum Wesentlichen, nämlich den Spieleigenschaften:
Erster Eindruck: Wow! Ist der sicher! Fühlt sich direkt gut an. Eine sehr variable Noppe mit der man fast alles spielen kann. Der Viper geht also in die Allroundrichtung. Die Vergleiche mit D.Tecs aus dem OOAK-Forum kann ich NICHT nachvollziehen. Viel mehr fühlt man sich an einen weicheren Dornenglanz erinnert (ähnliches Spielgefühl). Kein Flummieffekt oder Katapult vorhanden. Auch der Störeffekt bewegt sich beim NSD ungefähr auf dem gleichen Level. Wie vorher schon jemand anders schrieb, schlagen die Gegner gerne mal am Ball vorbei oder machen den ein oder anderen leichten Fehler weil der Ball extrem flach raus springt.
Was wirklich heraussticht ist aber das kurz-kurz Spiel und die Möglichkeit Rollaufschläge und Topspins extrem kurz ablegen zu können. Mit keiner anderen Noppe geht das bei mir so sicher. Der Viper ist wirklich leicht zu spielen und verfügt über sehr gute Offensivoptionen, Druckschupf und Konter/Schuss entwickeln ein beachtliches Tempo, während Blocks bei passiver Schlägerhaltung trotzdem noch gut eingebremst werden. Der Belag reagiert gutmütig und fehlerverzeihend auf ankommenden Spin und wird am liebsten direkt am Tisch gespielt. Auch ca. einen Meter hinter der Platte ist der US ausreichend um den Gegner nachhaltig zu ärgern. Die Aufschlagannahme gestaltet sich generell sehr leicht. Im Angriff gehen sämtliche Noppentechniken, aber auch ein NI-Konter ist zuverlässig spielbar. Für ox derzeit wohl das Maß aller Dinge.
Am Anfang war ich davon überzeugt das auch der Maximalspin aus der langen Abwehr locker ausreicht um nicht abgeschossen zu werden. Die Bälle bleiben dort jederzeit sehr flach und gut zu kontrollieren, doch musste ich am Ende leider feststellen das der Viper beim max. US doch einiges vom D.Tecs, LSD und sogar vom BT entfernt ist. Er regiert von ganz hinten eher auf HF Niveau, welcher seine Stärken ja auch eher am Tisch hat.
Bis Gegner-TTR ~1700 war ein Nachziehen nicht wirklich möglich, das böse Erwachen kommt dann so ab TTR ~1800... dort wird auf den Viper gerohrt bis die Noppen fliegen. Man kann sicher bringen, ja, immer wieder, ja... aber nicht gefährlich! Es war mir kaum möglich Ablagen zu provozieren. Das geht mit D.Tecs und Konsorten erheblich effektiver, obwohl Schnittwechsel leicht ausgeführt werden können.
Es ist also irgendwie eine Frage des Einsatzgebiets. Bis TTR 1700 am Tisch 1+ mit Sternchen wegen der Sicherheit und den Offensivoptionen, beim regelmäßigen Gang in die lange Abwehr eher brauchbar (weil sicher) bis durchwachsen (weil zu ungefährlich). Für den Großteil der LN(ox)-Spieler welcher sicherlich irgendwo zwischen TTR ~1300 bis ~1600 „rumkrökelt“, ist der Viper wirklich eine tolle Entwicklung. Es bleibt abzuwarten wie er sich langfristig gegen stärkere Gegner spielt. Dazu fehlen mir noch die Erfahrungswerte, ich bleibe jedoch dran!
Ach ja, es gibt natürlich auch ein kleines Testvideo dazu, welches mein Kumpel Croudy für die interessierte LN-Fraktion aufbereitet hat:
https://www.youtube.com/watch?v=0kdRKQf6Cwc
Ich habe an dem Tag viel rumprobiert und versucht einen möglichst umfassenden Eindruck vom Viper ox zu bekommen. Gegner Nr. 1 (TTR ~1600) spielt aktuell Niedersachsenliga Jugend und 1. BZK Herren und greift beidseitig, mit guter Technik und Topspin an. Beim Viper nervten ihm am meisten die extrem kurzen Stopbälle und Abtropfer die man mit traumwandlerischer Präzision spielen kann. Ich konnte ihn quasi nach Belieben bewegen und hatte jederzeit eine herausragende Kontrolle. Hat ihm nicht gefallen.
Gegner Nr. 2 (TTR ~1860) spielt BZL vorne (wie ich selbst) und nächste Saison Verbandsliga hinten/Mitte. Er hat eine sehr saubere Technik und ein bretthartes TS-Spiel mit beidseitig Tenergy max... Dort waren dann die Grenzen des Viper erreicht. Man wird in der Abwehr mangels US sprichwörtlich zerlegt und kann nur noch über die Platzierung oder die Vorhand punkten. Auch konnte ich nicht mehr am Tisch bleiben, da der Angriff hier einfach zu schnell und lang in die Seiten erfolgte. Hat mir nicht gefallen.
Trotzdem ist der Viper eine wirklich interessante Noppe für das Spiel am Tisch und zuletzt wahrscheinlich die spannendste Neuentwicklung auf dem GrLN-Sektor. Man muss noch erwähnen das sich dieser Belag für ein GLN ähnliches Hinhaltespiel eignet, jedoch seine Stärken klar im aktiven Noppenspiel hat. Wer selber gerne die Initiative ergreift und den Gegner über Platzierung und Tempo unter Druck setzt, ist hier definitiv an der richtigen Adresse! Auch der Einsatz von schnelleren Hölzern, bei trotzdem noch guter Kontrolle, zeichnet den Viper aus.